Rettet Jörg Pilawas letzte Million Hirnzellen PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Administrator   
Donnerstag, den 16. Dezember 2010 um 12:14 Uhr

 

Vorher: Bevor ich bei Herrn Jauch auf dem heißen Stuhl lande und kräftig abräume, will ich erst mal als Zuschauer Erfahrung sammeln. Endemol hat dafür aber eine anderthalb Jahre lange Warteliste und so bietet man mir als Ersatz Pilawas neue Sendung "Rettet die Million" an, für 14 € schlage ich einfach mal zu. Die Kandidatenpaare sollen acht Multiple-Choice Fragen bewältigen und möglichst viel von der Kohle (man kann bedingt auch verteilen) über die Ziellinie bringen. Aufgezeichnet wird in Kölns abgelegenem Industrieghetto Ossendorf, so steht die Station als Bahnhof in der Endemolbeschreibung, aber die Haltestelle heißt jetzt "IKEA". Dort angekommen ist bei allen Gästen die Freude groß, dass der Weg zum wirklich riesigen Fernsehstudio so gut ausgeschildert ist. Um dann festzustellen, dass es sich leider um ein... anderes Studio handelt. Für Pilawa und seine PISA-Opfer haben sie in einer Seitenstraße ein jahrmarktsbudenartige Behelfsarena zusammengezimmert. Da bei seiner ersten Sendung das Publikum 6 Stunden ohne Toilettenpause festgehalten wurde, gönne ich mir nur ein einziges Kölsch und bin leider unteralkoholisiert.

 

Sendung: Beim Casten für eine Quizsendung könnte man prinzipiell auf zwei Dinge wert legen,

1. Die Kandidaten sollen drollige Kerlchen sein, Schwänke aus ihrer Jugend zum besten geben und gut rüberkommen

2. sie sollten auch iiiiirgend was wissen und nicht bei jeder einzelnen Frage ratlos mit den Augen klimpern.

 

Nur auf eines dieser Kriterien wird bei Jörg Pilawa tatsächlich geachtet, na ratet doch mal. Die Kandidaten staunten, dass Sean Connery nicht Präsident seines Landes werden will und Clausthal-Zellerfeld nicht im Ruhrgebiet liegt. Warum "Niveaulimbo" Jugendwort 2010 geworden ist, hab ich nicht verstanden.

 

Nachher: Der Bus vor der Tür fährt nicht mehr, es ist ja auch schon fast 20 Uhr, die Wegbeschreibungen der Ordner sind so schlecht, dass ich am IKEA-Bahnhof vorbei laufe, ein Portier kennt diese Station gar nicht, sie ist zu neu, er schickt mich zu einem eine halbe Stunde Fußmarsch entfernten anderen. Ich begegne einem versprengten Zuschauer, er ist wohl Serbe, als ich ihm davon berichte, Eintritt bezahlt zu haben, runzelt er die Stirn "Geld bezahllän? Ich bekommä 30 Euro, bin Zuschauär. Gelt bezallän maacht keinän Sien, bin Zuschauär." Ich kann ihm nur teilweise folgen, aber ich mag seinen Stil. Wir stapfen durch die eisige Nacht.

 

 

Dem Publikum steht das Grauen ins Gesicht geschrieben. Eine Pilawa-Show, das ist der tiefschwarze Blues

 


Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 30. Dezember 2010 um 13:43 Uhr
 
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